Wer hier zwischen den Zeilen sucht wird nichts finden.

Berufsbedingt weiß ich alles über meinen Zustand. Ich kann Ihnen einen kleinen Roman über meine Nerven erzählen. Die platzen fast obwohl sie das ja gar nicht können und man kann davon ganz leicht weiße Mäuse sehen wo niemals welche sind. Ich sehe ständig weiße Mäuse. Und das bei klarem Verstand. Oder eben was davon noch brauchbar ist. Sie müssen wissen ich bin von Natur aus äußerst kopflastig. Und wenn ich jetzt jemandem vor den Kopf stoße tut es mir leid. Das tut es diesmal wirklich. Ich würde so gern und wenn ich könnte würde ich auch.
Während er gerade seins schreibt schreibe ich meins und schon kommt mir der Gedanke dass es ganz einfach sein kann sich das Leben zu nehmen. Einfach aus dem Gedankengang heraus. Ich finde den Gedanken sehr spannend aber ich kann nicht sagen wie und warum ich da jetzt drauf komme. Nicht nur diesen. Ich frage mich ob das weh tut. Ich frage mich wie das Leben zu dieser einen Qual werden kann. Doch dann ist mir dieser Gedanke schon wieder zu anstrengend und ich kann ihn nicht zu Ende denken. Dann tut mein Gehirn weh. Ganz weit innen drin. Wissen Sie was ich meine? Das ist auch anstrengend. Momentan tue ich mich sowieso schwer mit dem denken. Ich kann alles nicht so recht zu Ende denken im Moment. Dann denke ich mir dass es nervt und eine Minute später ist es mir auch schon egal. Auch das ist anstrengend. Hauptsache ein- und ausatmen klappt beim Aufstehen problemlos nach einer unruhigen Nacht.
Heulen klappt auch super. Dummerweise zu den unmöglichsten Gegebenheiten. Obwohl Nervenattacken in der Umkleidekabine eines Schwimmbades gar nicht so schlecht sind. So eine Kabine hat nur knapp einen Quadratmeter und diese Kokonart kann recht anheimelnd sein. Es kann sich nur etwas schwierig gestalten dass man leise sein muss wenn man schreien will. Aber das ist auch nicht so unbekannt.
Mir kam die Idee dass ich wieder etwas Sport treiben sollte doch es ist so anstrengend die Tasche zu packen und dann auch noch zum Schwimmbad zu laufen. Ja das sind ja nur paar Minuten. Also lasse ich es. Außerdem habe ich Angst zu ertrinken. Yoga wäre ganz entzückend für meine überspannten Nerven. Also die Idee ist gut. Vorgestern war sie es zumindest. Heute streife ich diese Idee und frage mich was ich bei den ganzen Yoga-Tanten will. Unter Strom stehen ist auch nicht mehr das was es mal war. Wenn ich halb so erschöpft wäre würde ich es wahrscheinlich immer noch mögen.
Samstag schleppte er mich in ein Möbelhaus. Suchte einen Schuhschrank. Es dauerte exakt acht Minuten bis ich vollkommen reizüberflutet und überfordert war. Dieses seltsame Licht in diesen Läden. Das macht mich ganz kirre. Und diese vielen Tische in der Dekoabteil machen es auch nicht besser. Im Normalzustand kommt das einer Tortur schon recht nahe aber hier und jetzt ist baldiger Amoklauf der passender Ausdruck. Jetzt? Ich will ja nur meine Ruhe. Das ist mir alles zu laut. Die erschrecken mich diese ganzen lauten Menschen. Ich sterbe ja jeden Tag meine ganz eigenen Tode. Ich mag es lieber still jetzt. Wenn ich meinen eigenen Herzschlag höre. Das beruhigt mich. Ich krieche dazu gern in seinen Beutel. Da lässt er mich immer rein wenn ich will.
Meine Anpassungsfähigkeit funktioniert sehr gut denn es ist noch anstrengender mich erklären zu müssen. Wenn ich denn könnte. Wehren geht auch nicht. Gegen was denn auch? Außerdem ist das auch anstrengend anderen zu erklären und immer dasselbe. Manchmal habe ich Angst vor den anderen. Ja das sind die vor denen ich manchmal Angst habe. Aber es sind genau die an denen ich mir versichern kann dass ich doch nicht verrückt bin. Das merkt man dann wenn man so wie ich gern in den letzten Reihe sitzt in den Haaren dreht und die Anderen beim atmen beobachtet. Aber davon kann das Gehirn auch wehtun. Wie so ein kleines Gewitter im Kopf. Und das rührt mich an einer Stelle an der sich schon ganz lange nichts mehr gerührt hat.

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