Ein kleines Vexierbild

Die Verwüstung in ihrem Garten betrachtend machte sie sich auf und kroch zwischen die Sträucher am Zaun. Dort hatte ihre Nachbarin einen ansehnlichen Haufen ihrer eigenen Splitter abgeladen. Sie zog einen Müllsack hinter sich her und las die Splitter ihrer Nachbarin schweigend auf. Anschließend zog sie den vollen Sack zu ihren eigenen, die schon an der Wand der Gartenlaube lehnten. Auf einen mehr oder weniger kam es nicht an. Sie drehte sich um und beobachtete ihre Nachbarin wie diese mit einer großen Schaufel das Loch in ihrem eigenen Garten wieder mit Erde füllte. Deren Krater erschien ihr viel kleiner als der ihre. Weiterlesen

Wer hier zwischen den Zeilen sucht wird nichts finden.

Berufsbedingt weiß ich alles über meinen Zustand. Ich kann Ihnen einen kleinen Roman über meine Nerven erzählen. Die platzen fast obwohl sie das ja gar nicht können und man kann davon ganz leicht weiße Mäuse sehen wo niemals welche sind. Ich sehe ständig weiße Mäuse. Und das bei klarem Verstand. Oder eben was davon noch brauchbar ist. Sie müssen wissen ich bin von Natur aus äußerst kopflastig. Und wenn ich jetzt jemandem vor den Kopf stoße tut es mir leid. Das tut es diesmal wirklich. Ich würde so gern und wenn ich könnte würde ich auch. Weiterlesen

Leserbrief Spiegel Heft 02/2012

Es mag sein, dass die Optimisten der Evolution mithin der Geschichte den Schwung gegeben haben. Aber für Geschichten sind Siegertypen nicht gemacht. Das gilt nicht nur für das fiktionale, sondern auch für das wahre Leben. Wer Widrigkeiten des Lebens weg schiebt, ist unspannend und taugt nicht für die große Literatur; wohl auch nicht für die kleine. Es ist nicht das “Schoßkind des Glücks” Gustav Gans, sondern Donald Duck, der etwas zu erzählen hat.

Bitte male mir die Realität rosa an

Manche bekommen eine Nervenattacke wegen eines Brötchens auf dem Asphalt und andere, weil es ist wie es ist. Man schafft es gerade so, die Tür der Umkleidekabine hinter sich zu schließen. Man wird nach unten gezogen, die Mütze in den Händen und dann entlädt sich ein Jahr in einem Sturzbach. Das sitzen in dieser Kabine an sich ist nicht unangenehm. Die Enge und die Wärme haben etwas Kokonartiges. Man sitzt in diesem kleinen Quadratmeter. Die Zeit steht still und man kann nicht aufhören. Man denkt, es sei besser aufzustehen, doch das ist nicht möglich. Die bleierne Schwere im Körper. Die Stimmen von außen machen Angst, doch wäre man dankbar, wenn jemand einen Arzt mit einer Tasche voller Tranquillanzien schickt. Kein Taschentuch, keine Wanne, die das alles auffangen kann. Man denkt, man sollte besser nach draußen gehen und schafft es, den Mantel abzulegen. Bei jedem abgelegten Kleidungsstück ein neuer Schub. Weiterlesen

Beziehungen

Sie ist kein Beziehungsmensch, doch sie lebt in einer. Sie hat über ein Jahr in totaler Monogamie zugebracht, bis sie vor ein paar Wochen das Jagdfieber erneut packte. Nicht weil sie schlechten Sex hat, doch sie langweilt sich. Warum sie dabei immer wieder an gebundene Männer gerät, kann sie selbst nicht genau sagen, aber sie versucht immer das Beste aus allem heraus zu holen, denn gebundene Männer mit außerehelichen Ambitionen gibt es wie Sand am Meer und sie läuft weniger Gefahr, irgendwelchen Gefühlsdusseleien zum Opfer zu fallen. Diese mag sie so gar nicht. Nach einer dieser Dusseleien, die sie vor ein paar Jahren fast den Verstand gekostet hat, hat sie sich vorgenommen, sich auf so etwas möglichst nicht mehr einzulassen und bis jetzt hat es hervorragend funktioniert. Was sie ihrem jetzigen Gefährten so natürlich nicht sagen kann. Man kann sich vorstellen, dass er dafür wenig bis gar kein Verständnis aufbringen würde und sie will ihn nicht unnötig belasten. Dafür liebt er sie zu sehr und dafür diskutiert sie zu ungern. Sie hat keine Lust, ihm Dinge zu erklären, die er nicht verstehen will. Weiterlesen