Der Förster aus dem Silberwald

Meine Mutter sagt, ich soll Dates haben und sie sagt, ich soll charmant sein und das Ego der Männer in Ruhe lassen. Sie sollen nicht unbedingt merken, wenn ich sie zum kotzen finde. Diesen gut gemeinten Ratschlag beherzige ich mal mehr mal weniger genau. Das liegt zum Teil an meiner Tagesform, an meinem Gegenüber und daran, dass ich Dates des Öfteren nur aus Langweile habe (aus Langweile mache ich immer wieder mal komische Dinge). Also bemühe ich mich dementsprechend wenig.

 

Ich beginne meinen Dating-Exkurs im Sommer 2008. Da lief mir ein Herr aus dem Nachbarort über den Weg – ein Naturbursche. Er wollte unbedingt mit mir im Wald spazieren gehen. Mit mir…die ich gerade mal bis zum Auto laufe und längere Strecken nur mit dem Hund. Trotzdem verabredete ich mich mit ihm für einen Sonntagnachmittag im Wald.

Am Abend vorher feierten mein bester Freund und meine beste Freundin Geburtstag. Und wie solche Feste nun einmal gefeiert werden, war ich von etlichen Litern Prosecco so richtig betrunken und hatte ca. zwei h Schlaf (dafür sah ich aber immer noch verdammt gut aus). Meine arme Mutter musste mich Sonntagmorgen gegen zehn auf der letzten Party abholen und auf dem Weg nach Hause aß ich noch etwas Baguette mit Knoblauchbutter. Nachdem ich dann noch mal zwei h Schlaf hinter mich brachte, hätte ich zu Hause bleiben sollen, denn mir war mittlerweile so richtig schlecht. Also Zahnbürste in den Mund, bissel Magnesium und aufhübschen, zwei Gläser Milch und dann auf direktem Weg in den Wald. Da stand er in Knickerbockern, kariertem Hemd und ich frage mich bis heute, ob seine Zähne echt waren. Bei stockender Konversation versuchte ich gegen meinen rebellierenden Magen an zu kämpfen und überlegte, ob ich eher die Milch oder das Magnesium hätte weglassen sollen.

An Eiche Nummer zehn war es dann soweit. Die Nacht forderte ihren Tribut und mir blieb nichts anderes übrig, als auf allen vieren hinter besagte Eiche zu kriechen (ja ich kann eine Eiche von einer Buche unterscheiden), um die gegorene Milch raus zu kotzen. Nachdem dann wirklich mein gesamter Mageninhalt auf dem moosigen Waldboden lag, wäre ich gern dort sitzen geblieben. Schließlich war Sommer.

Der Förster reichte mir dann seine Wasserflasche (anscheinend dachte er mit) und ich entschuldigte mich mit einer Magendarmgrippe. Währenddessen tätschelte er meinen Kopf wie einen Hund. Jetzt wollte ich wirklich wieder ins Bett. Und das tat ich dann auch ohne Umwege. Und was danach geschah erzähle ich später…

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