Beziehungen

Sie ist kein Beziehungsmensch, doch sie lebt in einer. Sie hat über ein Jahr in totaler Monogamie zugebracht, bis sie vor ein paar Wochen das Jagdfieber erneut packte. Nicht weil sie schlechten Sex hat, doch sie langweilt sich. Warum sie dabei immer wieder an gebundene Männer gerät, kann sie selbst nicht genau sagen, aber sie versucht immer das Beste aus allem heraus zu holen, denn gebundene Männer mit außerehelichen Ambitionen gibt es wie Sand am Meer und sie läuft weniger Gefahr, irgendwelchen Gefühlsdusseleien zum Opfer zu fallen. Diese mag sie so gar nicht. Nach einer dieser Dusseleien, die sie vor ein paar Jahren fast den Verstand gekostet hat, hat sie sich vorgenommen, sich auf so etwas möglichst nicht mehr einzulassen und bis jetzt hat es hervorragend funktioniert. Was sie ihrem jetzigen Gefährten so natürlich nicht sagen kann. Man kann sich vorstellen, dass er dafür wenig bis gar kein Verständnis aufbringen würde und sie will ihn nicht unnötig belasten. Dafür liebt er sie zu sehr und dafür diskutiert sie zu ungern. Sie hat keine Lust, ihm Dinge zu erklären, die er nicht verstehen will.

Als sie zum ersten Mal für Sex Geld bekam war sie erstaunt und empört zugleich, denn es erschien ihr sehr unmoralisch. Doch ihre Empörung verflog genau so schnell wie sie aufkam. Der erste war ein verheirateter Chemiker aus dem Ruhrpott. Sie lernte ihn in Köln kennen. Er war unterwegs mit seinem Kegelclub und sie mit ihren Freundinnen. Er schob ihr zu allererst fünfzig Mark zu, weil sie so ein süßes Ding war. Dann bot er ihr fünfhundert Mark für eine Nacht. Natürlich sagte sie ihm nicht, dass er es auch umsonst haben könnte. Sie redeten wenig und das einzige was sie dann im Hotel machen musste war ihre Schenkel soweit zu spreizen wie möglich und die Schamlippen eben soweit auseinander zu ziehen. Er spielte ausgiebig und unfähig an ihrem Kitzler und steckte dabei seine Finger immer wieder in ihre Muschi, bis sie einigermaßen feucht war. Dann fickte er sie stundenlang und sie war nur darauf bedacht, wenigstens das stöhnen nicht zu vergessen.

Sie will nicht den Eindruck erwecken, sie würde Männer nicht mögen. Sie mag sie sehr, obwohl sie im Laufe der Jahre immer weniger Achtung vor ihnen hat. Liebe in Reinform ohne die großen Erwartungen kennt sie nicht. Höchstens von ihrer Mutter und das hat auch manchmal einen Nebengeschmack. Nach ihrer Erfahrung wird Liebe immer an Erwartungen geknüpft. Geliebt sein wollen ist schon solch eine Erwartung in sich. Sie kennt keinen Mann, der liebt um der Liebe willen. Vielleicht kennt sie auch nur die falschen Männer und sie hat schon so einige kommen und gehen sehen. Der Mann mit dem sie noch den gleichen Namen, aber nicht mehr das gleiche Bett teilt machte nicht den Anfang, doch er passt gerade in das Klischee und sie lebt von Klischees. Nach der Trauung verflüchtigte sich die Libido genauso schnell wie sein allgemeines Interesse an ihr und seinem äußeren Erscheinungsbild. Sie erinnert sich noch sehr lebhaft an den Ausdruck in seinem Gesicht, als ihm bewusst wurde, dass sie tatsächlich ging.

 

 

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